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Sie verwenden Excel-Tabellen und müssen dennoch zum Manual greifen um die Normwerte zu ermitteln?
Oder nutzen Sie bereits ein digitales Testsystem, stören sich aber an der komplizierten Handhabung und den hohen Kosten?
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Der SVF-KJ erfasst, mit welchen Strategien Kinder und Jugendliche auf Belastung reagieren. Seine Besonderheit liegt im Vorgehen: Statt allgemein nach dem Umgang mit Stress zu fragen, gibt er zwei konkrete Belastungssituationen vor – eine soziale und eine schulische – und lässt dieselben Strategien für beide getrennt beurteilen. Damit lässt sich prüfen, ob ein Bewältigungsmuster durchgängig auftritt oder an einen Lebensbereich gebunden ist. Der SVF-KJ überträgt das Konzept des Stressverarbeitungsfragebogens von Janke und Erdmann auf das Kindes- und Jugendalter.
Der SVF-KJ umfasst 72 Items: neun Subtests mit je vier Aussagen, die für beide Belastungssituationen beantwortet werden. Beurteilt wird fünfstufig. Die Subtests des SVF-KJ trennen günstige von ungünstigen Strategien:
Stressreduzierende Strategien
Stressvermehrende Strategien
Aus den Subtests des SVF-KJ entstehen vier Sekundärskalen: Emotionsregulierende Bewältigung (EMO), Problemlösende Bewältigung (PRB), Positive Stressverarbeitung (PCO) und Negative Stressverarbeitung (NCO).
Der SVF-KJ ist für Kinder und Jugendliche von 8 bis 16 Jahren vorgesehen und lässt sich einzeln wie in Gruppen einsetzen. Die Bearbeitung dauert altersabhängig 10 bis 25 Minuten; eine Zeitbegrenzung besteht nicht. Wichtig ist, dass die beiden vorgegebenen Belastungssituationen tatsächlich gelesen und vorgestellt werden – die Antworten beziehen sich ausdrücklich auf sie und nicht auf Stress im Allgemeinen. Bei jüngeren Kindern lohnt es sich, diesen Schritt zu begleiten.
Die Auswertung des SVF-KJ erfolgt im Papierverfahren von Hand über den Auswertungsbogen und die Normtabellen des Manuals. Jeder Schritt – Summieren, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle, und weil neun Subtests und vier Sekundärskalen jeweils situationsspezifisch und situationsübergreifend ausgewertet werden können, vervielfacht sich das Nachschlagen entsprechend. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Ein ungünstiges Muster im SVF-KJ ist kein Befund über die psychische Gesundheit, sondern ein Hinweis auf einen Förderbedarf – genau dort setzen Stressbewältigungstrainings an. Für Verlaufsmessungen sind die situationsübergreifenden Werte die tragfähigere Grundlage, weil die situationsspezifischen deutlich unzuverlässiger messen.
Die Normierung der zweiten Auflage des SVF-KJ beruht auf über 1.000 Kindern und Jugendlichen. Die internen Konsistenzen liegen für die situationsübergreifenden Subtests zwischen .74 und .92, für die situationsspezifischen zwischen .66 und .89 – der Unterschied folgt unmittelbar der Itemzahl, denn situationsspezifisch beruht jeder Subtest auf nur vier Aussagen. Dasselbe Bild zeigt die Retest-Reliabilität über sechs Wochen: .62 bis .83 situationsübergreifend gegenüber .48 bis .77 situationsspezifisch. Für die Praxis heißt das, dass situationsspezifische Einzelwerte am unteren Rand dieses Bereichs nur als Hinweis und nicht als Befund zu lesen sind. Konfirmatorische Faktorenanalysen stützen die Subteststruktur. Belegt sind außerdem die Konstrukt- und die kriterienbezogene Validität sowie erwartungskonforme Geschlechts- und Altersunterschiede, die ihrerseits die getrennte Normierung nach Geschlecht und Klassenstufe begründen.
Hampel, P., & Petermann, F. (2016). SVF-KJ – Stressverarbeitungsfragebogen nach Janke und Erdmann angepasst für Kinder und Jugendliche (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
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Lea Sauerbier (Testpsychologin / Psychotherapeutin in Ausbildung)
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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