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SSKJ 3-8 R digital auswerten

SSKJ 3-8 R – Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter

Der SSKJ 3-8 R bildet Stress im Kindes- und Jugendalter nicht als einzelnen Wert ab, sondern als Kette: Wie stark belasten Alltagssituationen, wie geht das Kind damit um, und was bleibt an Beschwerden zurück. Diese Dreiteilung folgt dem transaktionalen Stressmodell, nach dem Belastung erst im Zusammenspiel von Situation und Bewältigung entsteht. Der SSKJ 3-8 R macht damit sichtbar, was ein erhöhter Symptomwert allein nicht zeigt: welche Bewältigungsstrategien ihn begleiten – und dort setzt Förderung an.

Aufbau und Struktur des Fragebogens

Der SSKJ 3-8 R umfasst 89 Items in drei Bereichen:

  • Stressvulnerabilität (VUL) – 7 Items, vierstufig, zum Stresserleben in Alltagssituationen aus dem Leistungsbereich (Schule, Hausaufgaben) und dem sozialen Bereich (Eltern, Gleichaltrige)
  • Stressbewältigung – fünf Skalen mit je 6 Items, fünfstufig und für zwei Situationen getrennt erhoben: Suche nach sozialer Unterstützung (SOZ), problemorientierte Bewältigung (PRO), vermeidende Bewältigung (VER), palliative Emotionsregulation (PAL) und ärgerbezogene Emotionsregulation (AER)
  • Stresssymptomatik und Wohlbefinden – dreistufig: physische Symptomatik (PHY, 6 Items), psychische Symptomatik (PSY, 12 Items) mit den Subskalen Ärger, Traurigkeit und Angst sowie Wohlbefinden (PSY-WB, 4 Items)

Dass die Bewältigungsskalen des SSKJ 3-8 R zweimal beantwortet werden – für Hausaufgaben und für Streit mit Freunden –, ist kein Beiwerk: Erst der Vergleich zeigt, ob eine Strategie situationsabhängig oder durchgängig eingesetzt wird. Sind andere Situationen relevant, dürfen sie ausgetauscht werden.

Durchführung

Der SSKJ 3-8 R richtet sich an Kinder und Jugendliche der Klassen 3 bis 8 und lässt sich einzeln wie in Gruppen vorgeben. Die Durchführung dauert etwa 30 bis 40 Minuten; eine Zeitbegrenzung besteht nicht. Da alle Instruktionen schriftlich vorliegen, muss die Untersuchungsleitung nur sicherstellen, dass Instruktionen und Items verstanden werden – bei jüngeren Kindern notfalls durch Vorlesen.

Auswertung und Interpretation

Die Auswertung des SSKJ 3-8 R erfolgt im Papierverfahren von Hand über Schablonen, einen zweiteiligen Auswertungsbogen und die Normtabellen des Manuals. Jeder Schritt – Auflegen, Summieren, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle, und weil die Items gemischt über die Seiten verteilt sind, braucht es für jede Fragebogenseite eine eigene Schablone. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:

  1. Rohwertsummen: Die Stressvulnerabilität ergibt Werte zwischen 7 und 28, jede Bewältigungsskala je Situation zwischen 6 und 30, die physische Symptomatik zwischen 6 und 18, die psychische zwischen 12 und 36, deren Subskalen und das Wohlbefinden je zwischen 4 und 12.
  2. Übersituationale Werte: Für die Bewältigungsskalen werden zusätzlich Gesamtsummen über beide Situationen gebildet.
  3. Fehlende Werte: Es darf höchstens ein Item je Subskala fehlen; ersetzt wird es durch den kaufmännisch gerundeten Mittelwert der übrigen Items. Das Manual weist darauf hin, dass diese Ersetzung gerade in der Einzelfalldiagnostik den Messfehler erhöht.
  4. Normierung: Die Rohwerte werden in Stanine-Werte und Prozentränge überführt, die als äquivalent gelten. Normiert wurde getrennt für Mädchen und Jungen in drei Klassenstufengruppen – 3./4., 5./6. und 7./8. Klasse; für die situationsgetrennte Auswertung der Bewältigungsskalen liegen eigene Tabellen vor. Wo Deckeneffekte keine weitere Differenzierung zulassen, ist der mindestens erreichte Wert anzugeben.
  5. Profil: Die Stanine-Werte werden in den zweiten Teil des Auswertungsbogens übertragen. Die Stufen 3 bis 7 gelten als durchschnittlich, 1 und 2 als unter-, 8 und 9 als überdurchschnittlich.

Eine Einschränkung gehört zur fachgerechten Anwendung: Die Symptomskalen differenzieren nur im oberen Bereich. Eine Unterscheidung schwacher Ausprägungen war nicht beabsichtigt, weshalb sich die Interpretation auf erhöhte Werte konzentrieren sollte. Inhaltlich gilt im SSKJ 3-8 R ein Muster mit sozialer Unterstützung und problemorientiertem Handeln als eher günstig, überwiegend ärgerbezogene oder ausweichende Strategien als eher ungünstig – besonders wenn sie in beiden Situationen dominieren. Erhöhte Symptomwerte haben zudem nicht zwingend mit Stress zu tun; bleiben körperliche Beschwerden ohne Situationsbezug bestehen, ist ärztliche Abklärung angezeigt.

Testtheoretische Analyse / Gütekriterien

Die Normtabellen des SSKJ 3-8 R beruhen auf 3.189 Kindern und Jugendlichen der 3. bis 8. Klasse im Alter von 7 bis 16 Jahren, bei ausgewogenem Geschlechterverhältnis und über alle Schularten hinweg; bei 30 Prozent stammte mindestens ein Elternteil nicht aus Deutschland. Die Stichprobe gilt als repräsentative Zufallsstichprobe dieser Altersgruppe. Die internen Konsistenzen der Skalen liegen zwischen .67 und .89, die Retest-Reliabilitäten zwischen .61 und .82 – für kurze Skalen aus sechs Items ein angemessener Bereich, der zugleich erklärt, warum das Profil und nicht der Einzelwert im Vordergrund steht. Die Konstruktvalidität wurde über Interkorrelationen und Faktorenanalysen geprüft, die kriterienbezogene Validität über Zusammenhänge mit anderen Verfahren, Unterschiede zwischen gesunden und erkrankten Kindern sowie Fremdbeurteilungen durch die Eltern. Belegt ist außerdem die Sensitivität für Veränderungen, was den Einsatz in Präventions- und Interventionsstudien trägt.

Lohaus, A., Eschenbeck, H., Kohlmann, C.-W., & Klein-Heßling, J. (2018). SSKJ 3-8 R – Fragebogen zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter (Revision). Göttingen: Hogrefe.

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Lea Sauerbier (Testpsychologin / Psychotherapeutin in Ausbildung)

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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)

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