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Der Emotionale-Kompetenz-Fragebogen (EKF) ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Einschätzung emotionaler Kompetenzen und emotionaler Intelligenz aus Selbst- und Fremdsicht. Erfasst wird das psychologische Konstrukt der emotionalen Kompetenz – verstanden als multidimensionale Fähigkeit zum Erkennen eigener und fremder Gefühle, zum angemessenen Umgang mit den eigenen Gefühlen sowie zum Ausdruck von Gefühlen. Der EKF versteht emotionale Kompetenz bewusst als Fähigkeitskonstrukt und grenzt sie von kognitiver Intelligenz und von Persönlichkeitsmerkmalen ab.
Der EKF liegt in zwei Formen vor: einer Selbstbeurteilung (EKF-S) und einer Fremdbeurteilung (EKF-F). Die Hauptform umfasst vier Dimensionen mit insgesamt 62 Items:
Aus den vier Hauptskalen wird ein Gesamtwert der allgemeinen emotionalen Kompetenz gebildet. Ergänzend stehen zwei optionale Zusatzskalen zur Verfügung, die stärker auf soziale Kompetenzen abzielen: Regulation von Emotionen bei anderen (15 Items) und Einstellungen zu Emotionen (14 Items). Mit den beiden Zusatzskalen umfasst der EKF insgesamt 91 Items.
Der EKF ist für Jugendliche und Erwachsene konzipiert und kann als Einzel- oder Gruppentest eingesetzt werden. Die Items werden auf einer fünfstufigen Skala von 1 (stimmt überhaupt nicht) bis 5 (stimmt vollständig) beantwortet. Die Bearbeitung der knapp 100 Items (einschließlich Zusatzskalen und biografischer Angaben) dauert je nach Übung etwa 10 bis 20 Minuten. Die Testpersonen sollten gut Deutsch lesen und verstehen können. Empfohlen wird, neben der Selbsteinschätzung möglichst auch eine oder mehrere Fremdeinschätzungen einzuholen.
Die Auswertung erfolgt in mehreren Schritten:
Interpretation: Höhere Werte sprechen für stärker ausgeprägte emotionale Kompetenzen. Die Ergebnisse sollten ausschließlich in normierter Form interpretiert werden; als Durchschnittsbereich gilt ein Standardwert zwischen 90 und 110. Selbst- und Fremdeinschätzungen dürfen nur in normierter Form miteinander verglichen werden. Vertrauensintervalle und kritische Differenzen (rund 7 SW-Punkte) helfen einzuschätzen, ob Unterschiede zwischen Werten bedeutsam sind.
Die Normierung beruht auf einer Stichprobe von N = 638 Selbst- und N = 421 Fremdeinschätzungen. Die psychometrischen Kennwerte sind insgesamt gut. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der vier Hauptskalen liegt zwischen α = .86 und .93 (im Mittel rund .90), der Gesamtwert erreicht α = .93 (Selbst) bzw. .94 (Fremd). Die Stabilität über ein Jahr ist für Selbsteinschätzungen zufriedenstellend (r = .69), für Fremdeinschätzungen aufgrund wechselnder Beurteilender gering. Explorative und konfirmatorische Faktorenanalysen stützen die vierdimensionale Struktur bei guten Fit-Indizes. Die Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdurteil ist moderat (r = .39), was die Empfehlung zur Mehrperspektiven-Erhebung unterstreicht. Die konvergente Validität zeigt sich u. a. in hohen Zusammenhängen des Erkennens fremder Emotionen mit Maßen emotionaler Sensitivität und Empathie sowie in erwartungskonform negativen Korrelationen der Emotionsregulation mit Neurotizismus, Depressivität und Symptombelastung. Erwartungsgemäß bestehen kaum Zusammenhänge mit kognitiver Intelligenz, was die diskriminante Validität und die eigenständige Konzeption emotionaler Kompetenz untermauert.
Rindermann, H. (2009). Emotionale-Kompetenz-Fragebogen (EKF). Einschätzung emotionaler Kompetenzen und emotionaler Intelligenz aus Selbst- und Fremdsicht. Göttingen: Hogrefe.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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