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Die WISC-V ist ein Individualtest zur Erfassung der intellektuellen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Sie steht in der Tradition der Wechsler-Skalen und verbindet einen allgemeinen Intelligenzfaktor mit einer differenzierten Profilstruktur: Fünf kognitive Bereiche – Sprachverständnis, visuell-räumliche Verarbeitung, fluides Schlussfolgern, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit – münden in einen Gesamt-IQ. Gegenüber der Vorgängerversion wurde der frühere Index des wahrnehmungsgebundenen logischen Denkens in visuell-räumliche Verarbeitung und fluides Schlussfolgern aufgeteilt; drei neue Untertests – Formenwaage, Visuelle Puzzles und Bilderfolgen – schärfen die Messung.
Die WISC-V besteht aus 15 Untertests: zehn primären und fünf sekundären. Aus ihnen werden elf Werte gebildet – der Gesamt-IQ sowie je fünf primäre und sekundäre Indexwerte.
Die fünf primären Indizes der WISC-V und ihre Untertests:
Der Gesamt-IQ wird aus sieben Untertests dieser Bereiche bestimmt. Für vertiefte Fragestellungen stehen fünf sekundäre Indizes bereit: Quantitatives Schlussfolgern, Auditives Arbeitsgedächtnis, Nonverbaler Index, Allgemeiner Fähigkeitsindex und Kognitiver Leistungsindex. Ergänzend lassen sich Prozesswerte berechnen, die Aufschluss darüber geben, wie eine Aufgabe bearbeitet wurde – nicht nur, ob sie gelöst wurde.
Die WISC-V ist ein Einzeltest für Kinder und Jugendliche von 6;0 bis 16;11 Jahren. Die Untertests werden in festgelegter Reihenfolge mit alters- und leistungsabhängigen Einstiegspunkten, Umkehr- und Abbruchregeln durchgeführt; das Antwortformat reicht von verbalen Antworten über das Legen von Material bis zu zeitgebundenen Papier-und-Bleistift-Aufgaben. Für die zehn primären Untertests sind je nach Altersgruppe durchschnittlich 56 bis 73 Minuten zu veranschlagen, für die sieben Untertests des Gesamt-IQ 39 bis 56 Minuten; sekundäre Untertests verlängern die Testung entsprechend. Die Durchführung der WISC-V verlangt geschultes Personal – Einstiegs- und Abbruchregeln, zeitgenaue Vorgabe und die Protokollierung der Antworten laufen parallel.
Die Auswertung der WISC-V erfolgt im Papierverfahren von Hand über den Protokollbogen und ist mehrstufig: Rohwerte, Wertpunkte, Indexwerte, Konfidenzintervalle, Prozentränge und Vergleichswerte bauen aufeinander auf. Jeder dieser Schritte – Summieren, Übertragen, Nachschlagen in altersabhängigen Tabellen – ist eine mögliche Fehlerquelle, und ein Fehler auf einer frühen Stufe pflanzt sich bis in den Gesamt-IQ fort. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Rohwerte; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Ein Profil der WISC-V ist stets im Kontext von Vorgeschichte, Verhaltensbeobachtung und Fragestellung zu lesen. Es liefert keine eigenständige Diagnose.
Die deutschsprachige Normierung beruht auf 1087 Kindern und Jugendlichen in elf Altersgruppen von 6;0 bis 16;11 Jahren, für die jeweils rund 100 Personen angestrebt wurden; stratifiziert wurde unter anderem nach Geschlecht und elterlichem Bildungsniveau. Die Reliabilität der WISC-V ist hoch bis sehr hoch: Der Gesamt-IQ erreicht .96 und liegt damit nur knapp unter dem Wert der WISC-IV. Von den primären Indizes erreichen Fluides Schlussfolgern .93, Sprachverständnis .92 und Visuell-Räumliche Verarbeitung .91 – bemerkenswert, weil diese Indizes aus nur zwei Untertests gebildet werden. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit fällt etwas niedriger aus, da ihr Kennwert auf Retest-Reliabilitäten beruht, die systematisch unter Split-Half-Werten liegen. Die sekundären Indizes erreichen ein ähnliches Niveau; Nonverbaler Index und Allgemeiner Fähigkeitsindex liegen bei .95. Konfirmatorische Faktorenanalysen stützen das fünffaktorielle Strukturmodell gegenüber einfacheren Modellen; der Bereich Fluides Schlussfolgern lädt dabei praktisch vollständig auf dem allgemeinen Faktor. Die konvergente Validität wurde im Rahmen der Normierung über Vergleichsstudien mit WISC-IV, WPPSI-III, WAIS-IV und KABC-II geprüft, wobei die Verfahren in ausbalancierter Reihenfolge vorgegeben und die Koeffizienten für die Einschränkung des Wertebereichs korrigiert wurden. Ergänzend liegen Untersuchungen an Sondergruppen vor, insbesondere zu Hoch- und Minderbegabung. Für die Fairness des Verfahrens spricht die dokumentierte Bias-Prüfung: Aufgaben wurden von internen und externen Gutachtern sowie über Analysen zum Differential Item Functioning geprüft und bei Auffälligkeiten entfernt.
Wechsler, D. (2017). WISC-V – Wechsler Intelligence Scale for Children, Fifth Edition. Deutsche Fassung, bearbeitet von F. Petermann. Frankfurt am Main: Pearson.
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Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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