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Sie verwenden Excel-Tabellen und müssen dennoch zum Manual greifen um die Normwerte zu ermitteln?
Oder nutzen Sie bereits ein digitales Testsystem, stören sich aber an der komplizierten Handhabung und den hohen Kosten?
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Die SCL-90-S und die SCL-90-R erfassen die psychische Belastung auf symptomatischer Ebene: wie stark sich eine Person in den vergangenen sieben Tagen bis heute durch 90 körperliche und psychische Beschwerden beeinträchtigt gefühlt hat. Gemessen wird ein aktueller Zustand; überdauernde Persönlichkeitsmerkmale liegen außerhalb des Verfahrens. Beide Ausgaben dienen als Screening und zur Beschreibung des Belastungsniveaus über neun Symptombereiche hinweg, ersetzen aber keine psychiatrische Diagnostik. Wegen des kurzen Bezugszeitraums werden sie besonders häufig zur Verlaufsmessung eingesetzt. Die SCL-90-S (Hogrefe, 2014) ist die aktuelle Ausgabe, die SCL-90-R (Beltz, 2002) ihre revidierte Vorgängerin, die in Forschung und Versorgung weiterhin eingesetzt wird.
Beide Ausgaben umfassen 90 Items mit derselben Nummerierung und derselben Zuordnung zu den Skalen. 83 Items bilden neun Skalen:
Die übrigen sieben Zusatzitems zu Appetit, Schlaf, Todesgedanken und Schuldgefühlen bilden keine Skala und werden separat betrachtet. Alle 90 Items gehen in drei Globale Kennwerte ein, die unterschiedliche Aspekte derselben Belastung abbilden:
Erst zusammen ergeben die drei ein tragfähiges Bild: Ein hoher PST bei niedrigem PSDI beschreibt viele, aber wenig belastende Symptome, das umgekehrte Muster wenige, dafür schwer belastende.
Die beiden Ausgaben unterscheiden sich in ihren Normen und in den Regeln für fehlende Antworten. Welche Ausgabe vorliegt, zeigen Titel und Verlag auf dem Fragebogen: „SCL-90-S" bei Hogrefe, „SCL-90-R" bei Beltz Test. Da Itemnummern und Skalen übereinstimmen, entscheidet die Wahl der Ausgabe über die Normgrundlage.
Die SCL-90-S und die SCL-90-R werden als Selbstbeurteilungsbogen einzeln wie in Gruppen vorgegeben. Jedes Item wird fünfstufig von „überhaupt nicht" (0) über „ein wenig", „ziemlich" und „stark" bis „sehr stark" (4) beurteilt. Eine Zeitbegrenzung besteht nicht; das Ausfüllen dauert zehn bis 15 Minuten, die Instruktion laut SCL-90-R-Manual eine bis fünf. Die SCL-90-R ist bei Jugendlichen ab zwölf Jahren und bei Erwachsenen anwendbar; die Normen der SCL-90-S beginnen mit 16 Jahren. Der Bezugszeitraum der vergangenen sieben Tage ist Teil der Normierung: Wird er verändert, sind die Normen nicht mehr anwendbar. Bei floride psychotischen Personen und bei Zweifeln am Textverständnis ist von der Anwendung abzusehen.
Die Auswertung der SCL-90-S und der SCL-90-R erfolgt im Papierverfahren von Hand über Auswertungsbogen bzw. Auswertungsschablonen, das Auswertungsschema und die Normtabellen des jeweiligen Manuals. Jeder Schritt – Summieren, Dividieren, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Zwischen T = 40 und T = 60 liegen zwei Drittel der Normgruppe. Für Prä-Post-Vergleiche weist das Manual der SCL-90-R kritische Differenzen aus. Erhöhte Werte sind in beiden Ausgaben Anlass für eine weiterführende Untersuchung; eine Diagnose lässt sich aus ihnen allein nicht ableiten.
Die Normierung der SCL-90-S beruht auf einer bevölkerungsrepräsentativen deutschsprachigen Stichprobe von 2.025 Personen im Alter von 16 bis 75 Jahren, erhoben 2011 und 2012; die T-Normen sind nach Geschlecht und Alter getrennt ausgewiesen. Für Studierende liegt eine eigene Normstichprobe von 1.061 Personen vor, ebenfalls geschlechtsspezifisch. Die interne Konsistenz der Skalen und Globalen Kennwerte liegt zwischen α = .76 und .98, die Retest-Reliabilität wird als zufriedenstellend bis gut ausgewiesen. Die inhaltliche Validität stützt sich auf die Trennschärfen der Items, die konvergente Validität auf Zusammenhänge mit verwandten Verfahren.
Die Normen der SCL-90-R beruhen auf drei deutschsprachigen Stichproben: einer 1996 bundesweit erhobenen repräsentativen Eichstichprobe von 2.141 Erwachsenen, 857 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren aus der Bremer Jugendstudie und 800 Studierenden. Die interne Konsistenz der neun Skalen liegt in der Eichstichprobe zwischen α = .75 (Phobische Angst) und α = .87 (Depressivität), bei den Jugendlichen zwischen .64 und .84, bei Studierenden zwischen .60 und .86; GSI, PSDI und PST erreichen dort wie in den klinischen Stichproben α ≥ .96. Die Retest-Reliabilität über eine Woche liegt an 80 Medizinstudierenden zwischen r = .69 und .92. Die faktorielle Validität der SCL-90-R bleibt strittig: In der Eichstichprobe klärt die Fünf-Faktoren-Lösung 41,6 % der Varianz auf, ohne die neun Skalen abzubilden; die Skalen korrelieren dort im Mittel zu r = .67, was das Manual als Skalenredundanz einordnet.
Franke, G. H. (2014). SCL-90-S – Symptom-Checklist-90-Standard. Göttingen: Hogrefe.
Franke, G. H. (2002). SCL-90-R – Die Symptom-Checkliste von L. R. Derogatis (Deutsche Version) (2., vollst. überarb. Aufl.). Göttingen: Beltz Test.
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