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KABC-II digital auswerten

KABC-II – Kaufman Assessment Battery for Children – II

Die KABC-II ist ein wissenschaftlich fundierter Individualtest zur Erfassung der Informationsverarbeitung und der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Ihre Besonderheit ist eine duale theoretische Fundierung: Dieselben Aufgaben lassen sich sowohl im Sinne der neuropsychologischen Verarbeitungstheorie Lurias als auch im Sinne des psychometrischen Cattell-Horn-Carroll-Modells (CHC) interpretieren. Erfasst werden damit grundlegende kognitive Funktionen – sequentielle und simultane Verarbeitung, Lernfähigkeit, planerisch-schlussfolgerndes Denken sowie fluide und kristalline Fähigkeiten. Durch die Möglichkeit einer weitgehend sprachfreien Durchführung eignet sich das Verfahren auch für eine kultur- und sprachsensible Diagnostik mit reduziertem Bias.

Aufbau und Struktur des Tests

Die KABC-II gliedert sich in fünf Skalen, die jeweils mit einem Namen aus beiden Theorien bezeichnet werden:

  • Sequentiell / Kurzzeitgedächtnis (Gsm) – Aufnahme und Wiedergabe von Reizen in serieller, zeitlicher Folge
  • Simultan / Visuelle Verarbeitung (Gv) – ganzheitliche, häufig räumliche Integration visueller Reize
  • Lernen / Langzeitspeicher und -erinnerung (Glr) – Einspeichern und verzögerter Abruf neu gelernter Wort-Bild-Assoziationen
  • Planung / Fluide Fähigkeiten (Gf) – schlussfolgerndes Lösen neuartiger Probleme (nur 7–18 Jahre)
  • Wissen / Kristalline Fähigkeiten (Gc) – erworbenes Wort- und Sachwissen

Insgesamt stehen 18 Untertests zur Verfügung, die je nach Alter und Modell als Kern- oder Ergänzungsuntertests durchgeführt werden. Aus den Skalen werden zwei Gesamtskalen (Indices) gebildet: der Intellektuelle Verarbeitungsindex (IVI) nach dem Luria-Modell, der die Skala Wissen/Gc ausschließt, und der Fluid-Kristallin-Index (FKI) nach dem CHC-Modell, der sie einbezieht. Ergänzend kann ein Sprachfrei-Index (SFI) aus nonverbal durchführbaren Untertests bestimmt werden. Im Alter von drei Jahren werden ausschließlich Gesamtskalen ermittelt.

Durchführung

Die KABC-II ist ein Einzeltest für Kinder und Jugendliche von 3;0 bis 18;11 Jahren. Vor der Durchführung entscheidet die Testleitung, ob nach dem Luria- oder dem CHC-Modell ausgewertet wird: Das CHC-Modell gilt als Standardwahl, das Luria-Modell wird u. a. bei Zweisprachigkeit, Migrationshintergrund, Sprachstörungen, autistischen Störungen oder Höreinschränkungen bevorzugt, weil hier erworbenes Wissen die Schätzung der kognitiven Fähigkeiten verzerren könnte. Die Aufgaben sind altersgestaffelt; je nach Alter und Modell werden fünf bis zehn Kernuntertests durchgeführt. Die Bearbeitung der Kernuntertests dauert etwa 25 bis 60 Minuten (Luria-Modell) bzw. 30 bis 75 Minuten (CHC-Modell), die sprachfreie Skala rund 20 bis 40 Minuten. Ergänzungsuntertests erweitern die Erfassung der gemessenen Konstrukte und werden nach Bedarf hinzugenommen. Das umfangreiche Testmaterial ist kindgerecht und motivierend gestaltet.

Auswertung und Interpretation

Die Auswertung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Rohwertberechnung: Für jeden durchgeführten Untertest wird ein Rohwert ermittelt.
  2. Normierung: Die Rohwerte werden zunächst in Skalenwerte (Mittelwert 10, Standardabweichung 3) und anschließend für die Skalen und Gesamtskalen in Standardwerte (Indices; Mittelwert 100, Standardabweichung 15) überführt. Die Normen sind nach Altersstufen gegliedert.
  3. Ergänzende Normwerte: Zu jedem Wert lassen sich Prozentränge, Konfidenzintervalle (90 % oder 95 %) und Altersäquivalente bestimmen. Fünf beschreibende Kategorien (von „weit unterdurchschnittlich" bis „weit überdurchschnittlich") erleichtern die Befundvermittlung; der Bereich 85 bis 115 gilt als durchschnittlich.
  4. Wahl der Gesamtskala: Je nach gewähltem Modell wird der IVI (Luria) oder der FKI (CHC) als Maß der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit interpretiert; bei sprachfreier Durchführung dient der SFI.
  5. Profilinterpretation: Im Vordergrund steht das Skalenprofil. Mithilfe einer Extremwertregel (Basisquote < 10 %) wird zunächst geprüft, ob ein Skalenindex angesichts der Streuung der zugehörigen Untertests überhaupt interpretierbar ist; anschließend werden auf dem 5-%-Signifikanzniveau sowohl individuelle (intraindividuelle) als auch normbezogene Stärken und Schwächen bestimmt.

Testtheoretische Analyse / Gütekriterien

Die deutschsprachige Normierung beruht auf einer Stichprobe von 1.745 Kindern und Jugendlichen aus Deutschland (rund 83 %), Österreich (rund 11 %) und der deutschsprachigen Schweiz (rund 6 %), erhoben zwischen April 2013 und Februar 2014 und nach Alter, Geschlecht, elterlichem Bildungsgrad und Region stratifiziert. Die Reliabilität ist hoch bis sehr hoch: Die Gesamtskalenindices erreichen Werte zwischen .90 und .98 (IVI .94 bis .98, FKI ab .96, SFI .90 bis .96), die Skalenindices liegen überwiegend zwischen .85 und .97 (am höchsten Lernen/Glr und Wissen/Gc, etwas niedriger Sequentiell/Gsm und Planung/Gf), die Untertest-Reliabilitäten meist über .85. Konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigen die theoriegeleitete Struktur über alle Altersbereiche hinweg (CFI der Kernuntertests zwischen .957 und .982, RMSEA um .05); dabei lädt die Skala Planung/Gf am stärksten und Sequentiell/Gsm am schwächsten auf dem allgemeinen g-Faktor. Die konvergente Validität zeigt sich in mittleren bis hohen Korrelationen mit etablierten Verfahren – etwa mit der ursprünglichen K-ABC (FKI mit der Skala intellektueller Fähigkeiten r = .76) und dem WISC-IV (FKI mit dem Gesamt-IQ r = .79); ergänzend wurden Vergleichsstudien mit K-TIM, IDS und WPPSI-III durchgeführt. Geschlechtsunterschiede sind vernachlässigbar; der Einfluss des elterlichen Bildungsgrads und des Migrationsstatus fällt – mit Ausnahme der erwartungsgemäß stärker akkulturationsabhängigen Skala Wissen/Gc – moderat aus und ist geringer als in der amerikanischen Originalfassung.

Melchers, P., & Melchers, M. (2015). KABC-II. Kaufman Assessment Battery for Children – II. Deutschsprachige Fassung der Kaufman Assessment Battery for Children – Second Edition von A. S. Kaufman und N. L. Kaufman. Frankfurt am Main: Pearson.

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Lea Sauerbier (Testpsychologin / Psychotherapeutin in Ausbildung)

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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)

Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied

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