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Sie verwenden Excel-Tabellen und müssen dennoch zum Manual greifen um die Normwerte zu ermitteln?
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Das IVE erfasst drei Merkmale, die im Kindes- und Jugendalter eng zusammenhängen und doch getrennt betrachtet werden müssen: die Neigung, ohne Bedenkzeit zu handeln, die Suche nach riskanten Erfahrungen und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Gerade die dritte Skala macht das Verfahren diagnostisch interessant. Impulsivität und Risikobereitschaft lassen sich sehr unterschiedlich einordnen, je nachdem, ob Empathie ausgeprägt vorhanden ist oder fehlt – und genau diese Kombination unterscheidet Entwicklungsverläufe. Das IVE ist die deutschsprachige Adaption des Impulsivitätsfragebogens I6 von Eysenck und Eysenck.
Das IVE umfasst insgesamt 48 Items, die sich gleichmäßig auf drei Skalen verteilen:
Jede Skala ist inhaltlich klar abgegrenzt und ermöglicht eine differenzierte Profilanalyse der individuellen Persönlichkeitsmerkmale. Subtests für spezifische Gruppen existieren nicht, die Normierung erfolgt jedoch geschlechtsspezifisch.
Das IVE wird als Selbstbeurteilungsfragebogen eingesetzt und ist für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren konzipiert. Die Bearbeitungsdauer variiert altersabhängig zwischen 5 und 15 Minuten. Beantwortet wird dichotom mit „stimmt“ oder „stimmt nicht“ – ein Format, das jüngeren Kindern die Entscheidung erleichtert, sie aber auch dort zu einer Festlegung zwingt, wo sie zögern würden. Die Durchführung ist im Einzel- wie im Gruppensetting möglich. Eingesetzt wird das IVE in der Erziehungsberatung, in der schulpsychologischen Diagnostik sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
Die Auswertung des IVE erfolgt im Papierverfahren von Hand über eine Auswertungsschablone, ein Ergebnisprofil und die Normtabellen des Manuals. Jeder Schritt – Auszählen, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle, und weil die Items der drei Skalen im Bogen gemischt stehen, ist das schablonengestützte Auszählen der eigentliche Aufwand. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Das IVE beschreibt Merkmalsausprägungen, keine Störungen. Ein erhöhter Wert begründet keine Diagnose, sondern gibt Hinweise für Beratung, Förderung und weiterführende Diagnostik. Und weil es sich um eine Selbstbeurteilung handelt, ist gerade bei sozial erwünschten Merkmalen wie Empathie mit Beschönigung zu rechnen – der Abgleich mit Fremdurteil und Verhaltensbeobachtung bleibt notwendig.
Die Normwerte des IVE beruhen auf einer Stichprobe von 896 Kindern aus der Normalpopulation. Die internen Konsistenzen sind für ein Verfahren mit 16 dichotomen Items je Skala gut und liegen bei α = .82 (Jungen) und .80 (Mädchen) für Impulsivität, .85 und .81 für Risikoverhalten sowie .86 und .77 für Empathie. Auffällig ist das Gefälle bei der Empathieskala zwischen Jungen und Mädchen – hier misst das Verfahren bei Mädchen etwas weniger präzise, was bei der Einordnung einzelner Werte mitzudenken ist. Die innere Validität ist über faktorenanalytische und itemmetrische Analysen abgesichert. Für die kriterienbezogene Validität spricht, dass die Impulsivitätsskala zuverlässig zwischen Kindern mit ADHS und unauffälligen Kontrollgruppen trennt und auch Kinder mit Störungen des Sozialverhaltens identifiziert. Damit erfasst das IVE ein Merkmal, das für beide Störungsbilder zentral ist – was zugleich bedeutet, dass ein erhöhter Impulsivitätswert für sich genommen nicht zwischen ihnen unterscheidet.
Stadler, C., Janke, W., & Schmeck, K. (2004). Inventar zur Erfassung von Impulsivität, Risikoverhalten und Empathie (IVE). Göttingen: Hogrefe.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
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