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Der Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter (FRKJ 8-16) ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Erfassung von Entwicklungsressourcen bei Kindern und Jugendlichen. Anders als die traditionell defizitorientierte Entwicklungsdiagnostik stellt der FRKJ 8-16 die Stärken in den Mittelpunkt: jene personalen und umgebungsbezogenen Faktoren, die eine positive Entwicklung unterstützen. Theoretische Grundlage ist das Risiko-Schutzfaktoren-Modell, nach dem Ressourcen sowohl als Schutzfaktoren gegenüber Risikokonstellationen als auch als allgemein förderliche Bedingungen wirken können. Erfasst wird damit das Konstrukt der individuellen Stärken und sozialen Unterstützungsfaktoren, die einem Kind oder Jugendlichen zur Verfügung stehen.
Der FRKJ 8-16 ist ein Selbstauskunftsverfahren und umfasst zehn Skalen mit je sechs Items, insgesamt also 60 Items. Die Skalen gliedern sich in personale und soziale (umgebungsbezogene) Ressourcen.
Personale Ressourcen:
Soziale Ressourcen:
Aus den zehn Skalen lässt sich ein Gesamtwert als Mittelwert der Skalenrohwerte bilden.
Der FRKJ 8-16 richtet sich an Kinder und Jugendliche der 3. bis 10. Klasse (Altersbereich 8 bis 16 Jahre) und kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Die Items werden auf einer vierstufigen Skala von 1 (stimmt nie) bis 4 (stimmt immer) beantwortet. Die Bearbeitung dauert ohne Zeitbegrenzung etwa 20 bis 30 Minuten. Da die Befragung schriftlich erfolgt, ist auf ausreichende Lesekompetenz zu achten; bei jüngeren Kindern können die Items vorgelesen oder erläutert werden.
Die Auswertung erfolgt in mehreren Schritten:
Interpretation: Hohe Werte weisen auf eine überdurchschnittliche Verfügbarkeit von Ressourcen hin, niedrige Werte auf Bereiche, in denen besondere Unterstützung sinnvoll sein kann. Als durchschnittlicher Bereich gelten Stanine-Werte von 3 bis 7. Besonders aussagekräftig ist das Profil der zehn Ressourcen, das auf individuelle Stärken und Schwächen verweist und damit dem Gesamtwert vorzuziehen ist.
Die Normierung beruht auf einer großen Stichprobe von 2.513 Kindern und Jugendlichen der 3. bis 10. Klasse mit ausgewogenem Geschlechterverhältnis, die für diese Altersgruppe (Regelschulen) als repräsentativ gelten kann. Die psychometrischen Kennwerte sind zufriedenstellend bis gut: Die interne Konsistenz der Skalen liegt in der Gesamtgruppe zwischen .68 und .89, die Test-Retest-Reliabilität zwischen .60 und .87 (Zwei-Wochen-Intervall) bzw. zwischen .53 und .86 (Drei-Monats-Intervall). Die Konstruktvalidität wurde über die Interkorrelationen der Skalen und faktorenanalytische Auswertungen abgesichert. Die kriterienbezogene Validität wurde anhand von Zusammenhängen mit Außenkriterien wie Intelligenz, Persönlichkeit, Stress und Stressbewältigung, Emotionsregulation, Wohlbefinden, Verhaltensproblemen und elterlichem Erziehungsverhalten geprüft und stützt die ressourcenorientierte Konzeption des Verfahrens.
Lohaus, A., & Nussbeck, F. W. (2016). FRKJ 8-16. Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter. Göttingen: Hogrefe.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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