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Der FDS erfasst dissoziative Phänomene im Erwachsenenalter – jene Unterbrechungen der sonst zusammenwirkenden Funktionen von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität und Wahrnehmung, die sich der Beobachtung von außen entziehen. Darin liegt der Grund für ein Selbstbeurteilungsverfahren: Über diese hoch subjektiven Erfahrungen kann nur die betroffene Person selbst Auskunft geben. Der FDS ist die autorisierte deutschsprachige Adaptation der Dissociative Experiences Scale, die international als Goldstandard der Dissoziationserfassung gilt, und erweitert sie um pseudoneurologische Konversionssymptome. Er liefert eine dimensionale Syndromdiagnostik, keine kategoriale Diagnose.
Der FDS liegt in zwei Fassungen vor: der Langform mit 44 Items und der Kurzform FDS-20 mit den 20 trennschärfsten Items für orientierende Diagnostik und Verlaufsmessung.
Die Langform liefert zwei globale Kennwerte – den FDS-Gesamtwert über alle 44 Items und den DES-Gesamtwert über jene 28 Items der Originalfassung, die den Anschluss an die internationale Forschung sichern. Hinzu kommen vier Subskalen:
Zwölf Items gehen in keine Subskala ein, sondern nur in den Gesamtwert. Das hat einen Grund: Die Faktorenstruktur ist international umstritten, weshalb das Manual die Interpretation ausdrücklich auf den Gesamtwert stützt und die Subskalen nur als Orientierung über das Symptomprofil versteht.
Der FDS ist ab 18 Jahren vorgesehen; als Voraussetzung nennt das Manual einen Verbal-IQ von 80 und höher. Beantwortet wird auf einer Analogskala von 0 bis 100 Prozent in Zehnerschritten, also über die geschätzte Häufigkeit des Erlebens. Die Bearbeitung dauert 5 bis 15 Minuten für die Langform und höchstens 10 für die Kurzform; eine Zeitbegrenzung besteht nicht. Zentral ist ein Punkt der Instruktion: Nur Zeiten zählen, in denen die Person nicht unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stand. Bei drohender Ich-Desintegration ist der Fragebogen nur vorzulegen, wenn die Beziehung tragfähig ist und unmittelbar danach ein Gespräch möglich ist.
Die Auswertung des FDS erfolgt im Papierverfahren von Hand über den beiliegenden Auswertebogen, der die Zuordnung der Items zu den Skalen enthält, sowie über die Normtabellen des Manuals. Jeder Schritt – Summieren, Dividieren, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Die Wahl der Referenzgruppe entscheidet damit mit über den Befund – derselbe Wert kann gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht und innerhalb einer klinischen Stichprobe unauffällig sein. Ein überschrittener Schwellenwert begründet keine Diagnose: Der FDS ist ein Screening, dessen Hinweise durch klinische Untersuchung und Interview zu vertiefen sind.
Die Kennwerte beruhen auf rund 3.800 vollständigen Datensätzen. Die interne Konsistenz ist sehr hoch: α = .95 für den FDS-Gesamtwert und .94 für den DES-Wert; die vier Subskalen erreichen .83 bis .86 – angesichts ihrer Länge von sechs bis neun Items ein günstiger Wert. Die Retest-Reliabilität beträgt bei Studierenden über 14 Tage .82 und bei psychiatrischen Patientinnen und Patienten über 10 bis 14 Tage .80; nur die Subskala AMNESIE fällt in der studentischen Stichprobe mit .58 grenzwertig aus. Über einen Behandlungsverlauf hinweg sinkt die Korrelation zwischen Aufnahme und Entlassung dagegen auf .53. Der FDS bildet damit eher ein überdauerndes Merkmal ab und ist nur eingeschränkt änderungssensitiv – genau dafür wurde die Kurzform entwickelt, deren Instruktion ein Zeitfenster von zwei Wochen vorgibt. Zur konvergenten, divergenten und diskriminanten Validität liegen umfangreiche Belege vor.
Spitzer, C., Stieglitz, R.-D., & Freyberger, H. J. (2021). FDS – Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (4., korrigierte und aktualisierte Auflage). Deutschsprachige Adaptation der Dissociative Experiences Scale (DES) von E. Bernstein-Carlson und F. W. Putnam. Göttingen: Hogrefe.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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