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CFT 1-R digital auswerten

CFT 1-R – Grundintelligenztest Skala 1 (Revision)

Der CFT 1-R ist ein wissenschaftlich fundierter Intelligenztest zur sprachfreien Erfassung der Grundintelligenz bei Kindern. Als „Culture Fair Test" misst er die fluide Intelligenz (den sogenannten gf-Faktor nach Cattell) anhand von figuralem Material und damit weitgehend unabhängig von sprachlichen, regionalen und sozialen Einflüssen sowie von vorherigen Lernerfahrungen. Erfasst wird die grundlegende Fähigkeit, in neuartigen Situationen Denkprobleme zu erkennen, Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu identifizieren und formale Beziehungen herzustellen. Die Revision (CFT 1-R) differenziert besonders im unteren und mittleren Leistungsbereich und wurde gegenüber der Vorgängerversion um einen Untertest sowie zusätzliche Aufgaben erweitert.

Aufbau und Struktur des Tests

Der CFT 1-R besteht aus sechs Untertests mit insgesamt 150 Aufgaben, die zwei Testteilen zugeordnet sind:

1. Testteil – figurale Wahrnehmung und Bearbeitungsgeschwindigkeit:

  • Substitutionen – figürlichen Darstellungen die zugehörigen Symbole zuordnen
  • Labyrinthe – vorgegebene Labyrinthe in begrenzter Zeit korrekt durchfahren
  • Ähnlichkeiten – eine Vorlage unter fünf teils veränderten Zeichnungen wiederfinden

2. Testteil – figurales Denken (sprachfreie Grundintelligenz):

  • Reihenfortsetzen – die Aufbauregel einer Figurenreihe erkennen und fortsetzen
  • Klassifikationen – aus fünf Zeichnungen die abweichende Figur abgrenzen
  • Matrizen – die Figur auswählen, die ein vorgegebenes Muster richtig vervollständigt

Der Test kann in einer Kurzform (Mindestzeit) und einer Langform (mit Zusatzzeit) durchgeführt werden. Aus den Untertests werden Rohwertsummen für den 1. Teil, den 2. Teil und den Gesamttest gebildet; der Gesamtwert (alle sechs Untertests) repräsentiert die Grundintelligenz.

Durchführung

Der CFT 1-R kann als Einzel- und Gruppentest eingesetzt werden und richtet sich an Kinder von 5;4 bis 9;11 Jahren (Vorschule, Grundschule) sowie an Förder- und Sonderschulen (6;6 bis 11;11 Jahre). Mit je drei Übungsbeispielen pro Untertest erklärt die Testleitung die Aufgabenstellung. Die reine Testzeit beträgt in der Kurzform rund 13, in der Langform rund 17 Minuten; inklusive Instruktion und Pausen sind im Gruppentest etwa 45 bis 60 Minuten, im Einzeltest etwa 40 Minuten einzuplanen. Eine Parallelform existiert nicht. Wegen des Speedcharakters des 1. Testteils ist dessen Langform ab einem Alter von etwa 8 Jahren kaum noch aussagekräftig (Deckeneffekt).

Auswertung und Interpretation

Die Auswertung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Rohwertberechnung: Für jeden Untertest wird mithilfe einer Schablone ein Rohwert ermittelt. Aus diesen werden Rohwertsummen für den 1. Teil, den 2. Teil und den Gesamttest gebildet – getrennt für Kurz- und Langform.
  2. Normierung: Die Rohwertsummen werden anhand von Normtabellen in T-Werte (Mittelwert 50, Standardabweichung 10) überführt und können zusätzlich in IQ-Werte (Mittelwert 100, Standardabweichung 15) sowie Prozentränge umgerechnet werden; für Förderschulklassen liegen außerdem Quartilnormen vor.
  3. Normgruppen: Zur Verfügung stehen allgemeine Altersnormen (5;4 bis 9;11 Jahre), Klassennormen für die Grundschule (Klasse 1 bis 3), Altersnormen für die Förderschule (6;6 bis 11;11 Jahre) sowie Quartil-Klassennormen für Förderschulen. Die Altersnormen sind klassenstufenunabhängig.
  4. Interpretation: Höhere Werte sprechen für eine höhere Grundintelligenz. Das Testprofil bildet getrennt den 1. Teil (figurale Wahrnehmung/Speed), den 2. Teil (figurales Denken) und den Gesamtwert (Grundintelligenz, gf-Faktor) ab. Ein Gesamtwert sollte nur interpretiert werden, wenn die T-Wert-Differenz zwischen beiden Testteilen nicht signifikant ist (kritische Differenz). Der CFT 1-R eignet sich u. a. zur Abklärung bei Lese-Rechtschreib-Schwäche und Dyskalkulie, zur Differenzialdiagnostik (z. B. ADS) und zum Screening der Förderschulbedürftigkeit.

Testtheoretische Analyse / Gütekriterien

Die Normierung des CFT 1-R erfolgte 2010 bundesweit in sieben Bundesländern an einer repräsentativen Stichprobe von 4.641 Kindern (durchschnittlich rund 350 Probanden je Altersgruppe). Die psychometrischen Kennwerte sind gut bis sehr gut: Die interne Konsistenz (Kuder-Richardson) liegt für den Gesamttest bei .97, für die beiden Testteile bei .94 bzw. .95 und für die Untertests zwischen .75 und .90; die Retest-Reliabilität des Gesamttests beträgt .90. Faktorenanalysen bestätigen die zweifaktorielle Struktur aus figuraler Wahrnehmung/Geschwindigkeit (1. Teil) und figuralem Denken (2. Teil) mit einem hohen Anteil am allgemeinen g-Faktor; diese Struktur bleibt über Schularten hinweg und auch bei Kindern mit Migrationshintergrund konstant, was die Kulturfairness des Verfahrens stützt. Die Kriteriumsvalidität ist über Zusammenhänge mit Schulnoten und anderen Intelligenztests (insbesondere dem Handlungsteil des HAWIK) belegt, die prognostische Validität u. a. anhand von Förderschulnoten.

Weiß, R. H., & Osterland, J. (2013). CFT 1-R. Grundintelligenztest Skala 1 – Revision. Göttingen: Hogrefe.

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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)

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