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BSCL, BSI & Mini-SCL digital auswerten

BSCL, BSI und Mini-SCL – Kurzformen der Symptom-Checkliste

Die BSCL, das BSI und die Mini-SCL erfassen die psychische Belastung auf symptomatischer Ebene: wie stark sich eine Person in den vergangenen sieben Tagen bis heute durch körperliche und psychische Beschwerden gestört oder bedrängt gefühlt hat. Sie sind die Kurzformen aus der Familie der Symptom-Checklisten und dort angesiedelt, wo die 90 Items der Langform am Zeitbudget scheitern. Gedacht sind sie als Screening und zur Verlaufsmessung in Psychotherapie, Rehabilitation und Qualitätssicherung; sie messen einen aktuellen Zustand und liefern keine Diagnose. Die BSCL (Hogrefe, 2017) ist die aktuelle 53-Item-Fassung, das BSI (Beltz Test, 2000) ist ihr Vorgänger und die Mini-SCL (Hogrefe, 2017) die kürzeste Form mit 18 Items.

Aufbau und Struktur der Fragebögen

BSCL und BSI umfassen dieselben 53 Items. 49 davon bilden neun Skalen:

  • Somatisierung – Belastung durch wahrgenommene körperliche Dysfunktion, etwa kardiovaskulär, gastrointestinal oder respiratorisch (7 Items)
  • Zwanghaftigkeit – als ich-fremd erlebte Gedanken und Impulse sowie kognitive Leistungsstörungen (6 Items)
  • Unsicherheit im Sozialkontakt – Unzulänglichkeits- und Minderwertigkeitsgefühle im Kontakt mit anderen (4 Items)
  • Depressivität – von Traurigkeit bis zur klinisch manifesten Depression, mit Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken (6 Items)
  • Ängstlichkeit – Nervosität und Anspannung bis zu Panikattacken und Schreckgefühlen (6 Items)
  • Aggressivität/Feindseligkeit – Reizbarkeit, Ärger und Zorn bis zu aggressiven Impulsen (5 Items)
  • Phobische Angst – andauernde, unangemessene Furcht mit Vermeidungs- oder Fluchtverhalten (5 Items)
  • Paranoides Denken – Misstrauen, Gedankenprojektion und Argwohn (5 Items)
  • Psychotizismus – Isolation und Entfremdung bis zu psychotischem Erleben (5 Items)

Die vier übrigen Zusatzitems zu Appetit, Einschlafschwierigkeiten, Gedanken an den Tod und Schuldgefühlen gehören keiner Skala an, gehen aber in die drei Globalen Kennwerte ein: GSI (Global Severity Index) als durchschnittliche Belastung über alle 53 Items, PSDI (Positive Symptom Distress Index) als Intensität bei den Items mit angegebener Belastung und PST (Positive Symptom Total) als deren Anzahl. Der GSI gilt als bester Einzelindikator der Gesamtbelastung.

BSCL und BSI unterscheiden sich in drei Punkten:

  • Itemreihenfolge: Die BSCL übernimmt die Reihenfolge der SCL-90-S; dadurch stehen 37 der 53 Items an einer anderen Position als im BSI. Antworten eines BSI-Bogens, die in der Reihenfolge der BSCL übertragen werden, landen bei falschen Skalen: Die Globalen Kennwerte bleiben korrekt, die Skalenwerte werden verfälscht. Welche Fassung vorliegt, zeigen Titel und Verlag auf dem Fragebogen.
  • Auswertungsbogen: In der BSCL sind die Skalen alphabetisch angeordnet, das Auswertungsschema ist überarbeitet.
  • Normen: Das BSI normiert an gesunden Erwachsenen und Studierenden, die BSCL erstmals an einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe (siehe Gütekriterien).

Die Mini-SCL besteht aus drei Skalen mit je sechs Items aus der BSCL – Depressivität (DEPR), Ängstlichkeit (ANGS) und Somatisierung (SOMA) – und dem GSI über alle 18 Items. Depressivität und Ängstlichkeit wurden vollständig übernommen, Somatisierung von sieben auf sechs Items gekürzt. International ist die Mini-SCL als BSI-18 bekannt.

Durchführung

Die BSCL richtet sich an Erwachsene sowie an Jugendliche ab zwölf Jahren, die Mini-SCL an Jugendliche ab etwa zwölf und das BSI an Jugendliche ab etwa 13 Jahren, jeweils ebenso an Erwachsene. Alle drei werden einzeln wie in Gruppen vorgegeben, und jedes Item wird fünfstufig von „überhaupt nicht" (0) über „ein wenig", „ziemlich" und „stark" bis „sehr stark" (4) beurteilt. Das Ausfüllen dauert bei BSCL und BSI acht bis zehn Minuten, bei der Mini-SCL ein bis zwei Minuten; die Instruktion jeweils eine bis fünf Minuten. Der Bezugszeitraum der vergangenen sieben Tage bis heute ist Teil der Normierung: Wird er verändert, sind die Normen nicht mehr anwendbar. Bei floride psychotischen Personen und bei erkennbaren Verständnisproblemen ist laut BSCL-Manual von der Anwendung abzusehen. Wegen des kurzen Bezugszeitraums eignen sich alle drei Verfahren für Messwiederholungen.

Auswertung und Interpretation

Die Auswertung der BSCL, des BSI und der Mini-SCL erfolgt im Papierverfahren von Hand über Auswertungsbogen bzw. Auswertungsschema, die Normtabellen des jeweiligen Manuals und den grafischen Profilbogen. Jeder Schritt – Summieren, Dividieren, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle; allein für die Rohwerte der BSCL fallen zehn Divisionen an. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:

  1. Skalenwerte: Bei BSCL und BSI werden je Skala die Itemwerte summiert und durch die Zahl der Items geteilt; zusätzlich wird gezählt, bei wie vielen Items eine Antwort größer null vorliegt. Die vier Zusatzitems liefern nur einen Summenwert. Bei der Mini-SCL wird je Skala summiert; der Skalenwert liegt zwischen 0 und 24, der GSI ist die Summe der drei Skalenwerte und reicht von 0 bis 72.
  2. Globale Kennwerte (BSCL, BSI): Die Summe aller zehn Summenwerte geteilt durch 53 ergibt den GSI, die Summe der Belastungstendenzen den PST, die Gesamtsumme geteilt durch den PST den PSDI.
  3. Fehlende Antworten: Bei BSCL und BSI ist je Skala eine fehlende Antwort zulässig, insgesamt bis zu 13; der Divisor wird entsprechend reduziert. Die Mini-SCL erlaubt ein fehlendes Item je Skala und drei insgesamt; der fehlende Wert wird durch den gerundeten Mittelwert der übrigen Items derselben Skala ersetzt.
  4. Normierung: Alle drei Verfahren arbeiten mit T-Werten; bei BSCL und BSI entstehen sie über eine Flächentransformation, da die Rohwerte linkssteil verteilt sind. Die BSCL bietet die bevölkerungsrepräsentative Eichstichprobe getrennt nach Geschlecht und sechs Altersgruppen sowie eigene Normen für Studierende und für Berufsschülerinnen und -schüler. Das BSI normiert getrennt nach Geschlecht für Erwachsene und für Studierende; die Normgruppe der Erwachsenen ist nach Bildung geschichtet, ein Altersfaktor entfällt. Da das BSCL-Manual die Überführung des BSI in die BSCL dokumentiert, lassen sich BSI-Bögen wahlweise mit den Normen beider Manuale auswerten. Die Mini-SCL normiert nach Geschlecht und sechs Altersgruppen von 16 bis 75 Jahren, mit einer eigenen Tabelle für unbekanntes Alter oder Geschlecht. Werte oberhalb von T = 80 werden in allen drei Verfahren nicht weiter differenziert.
  5. Interpretation: BSCL und BSI teilen die Falldefinition – als auffällig belastet gilt, wer im GSI einen T-Wert ab 63 erreicht und/oder auf mindestens zwei Skalen. Danach prüft die BSCL die Globalen Kennwerte und die neun Skalen am Kriterium T ≥ 60 (60–64 leicht, 65–69 deutlich, 70–74 stark, 75–80 sehr stark erhöht), anschließend die Einzelitems auffälliger Skalen und zuletzt die vier Zusatzitems. Das BSI-Manual interpretiert nur Skalen mit T ≥ 63 als klinisch relevant und beginnt beim GSI als psychometrisch bestem Kennwert. Für die Mini-SCL nennt das Manual dieselben Abstufungen ab T = 60; die aus klinischen Stichproben abgeleiteten Trennwerte pendeln um T = 60.

Für Prä-Post-Vergleiche weisen die Manuale von BSI und Mini-SCL kritische Differenzen aus. Ein erkannter „Fall" verlangt eine weiterführende Untersuchung; eine ICD-10-Diagnose lässt sich aus keinem der drei Verfahren allein ableiten.

Testtheoretische Analyse / Gütekriterien

Die Normierung der BSCL stützt sich auf eine bevölkerungsrepräsentative Eichstichprobe von 2.025 deutschsprachigen Personen in sechs Altersgruppen von 16 bis über 65 Jahren, ergänzt um 1.659 Studierende und 525 Berufsschülerinnen und -schüler. In der Eichstichprobe liegt die interne Konsistenz der neun Skalen zwischen α = .72 (Aggressivität/Feindseligkeit, Phobische Angst) und α = .88 (Depressivität); der GSI erreicht α = .97 und bleibt über alle fünf untersuchten Stichproben hinweg – darunter zwei klinische mit 3.200 beziehungsweise 402 Personen – bei α ≥ .95. Die Retest-Reliabilität über eine Woche liegt an 343 Studierenden zwischen r = .64 und .82, der GSI bei r = .87. Die neunfaktorielle Struktur wurde in zahlreichen Untersuchungen überwiegend bestätigt, wobei sich durchgängig ein dominanter Hauptfaktor zeigt.

Die Normen des BSI beruhen auf 600 gesunden Erwachsenen im Alter von 15 bis 80 Jahren (Durchschnitt 33 Jahre), 1995 bis 1997 im Schneeballverfahren erhoben und nach Geschlecht und Bildung geschichtet, sowie auf 589 Studierenden. Die interne Konsistenz der Skalen liegt bei den Erwachsenen zwischen α = .39 (Phobische Angst) und .72 (Zwanghaftigkeit, Depressivität), die des GSI bei .92, bei den Studierenden bei .95. Die Retest-Reliabilität über eine Woche reicht bei den Erwachsenen von r = .73 (Phobische Angst) bis .93 (Zwanghaftigkeit, Unsicherheit im Sozialkontakt).

Die Normwerte der Mini-SCL beruhen auf derselben bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe von 2.025 Erwachsenen zwischen 16 und 75 Jahren, erhoben 2011/2012; als klinische Vergleichsstichprobe dienen 3.200 ambulante Psychotherapieklientinnen und -klienten. Die interne Konsistenz beträgt in der Normstichprobe α = .88 für Depressivität, .80 für Ängstlichkeit, .77 für Somatisierung und .92 für den GSI. Die Drei-Faktoren-Struktur bestätigt sich konfirmatorisch in beiden Stichproben akzeptabel (klinisch: RMSEA = .061, CFI = .92, SRMR = .042); die Skalen korrelieren untereinander hoch (klinisch r = .36 bis .60), weshalb die Skalenprofile vorsichtiger zu lesen sind als der GSI. Konvergent korreliert Depressivität mit der Allgemeinen Depressionsskala zu r = .83 und mit dem BDI zu r = .73.

Franke, G. H. (2017). BSCL – Brief-Symptom-Checklist. Deutsche Fassung des Brief Symptom Inventory (BSI) von L. R. Derogatis. Göttingen: Hogrefe.

Franke, G. H. (2000). BSI – Brief Symptom Inventory von L. R. Derogatis (Kurzform der SCL-90-R). Deutsche Version. Göttingen: Beltz Test.

Franke, G. H. (2017). Mini-SCL – Mini-Symptom-Checklist. Göttingen: Hogrefe.

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