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Das BRIEF erfasst Beeinträchtigungen exekutiver Funktionen im Alltagsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Gemeint sind jene übergeordneten Steuerungsprozesse, die zielgerichtetes Handeln, Verhaltensregulation und kognitive Selbststeuerung ermöglichen. Anders als neuropsychologische Leistungstests setzt das BRIEF dort an, wo sich Schwierigkeiten tatsächlich zeigen: im Verhalten zu Hause und in der Schule. Beurteilt wird von Eltern, Lehrkräften und – in der Selbstbeurteilungsversion – von den Jugendlichen selbst.
Das BRIEF liegt in drei Versionen vor: einer Eltern- und einer Lehrerversion (BRIEF-Eltern, BRIEF-Lehrer) mit je 86 Items sowie einer Selbstbeurteilungsversion (BRIEF-SB) mit 80 Items. Eltern- und Lehrerversion erfassen acht klinische Skalen (Itemzahl Eltern/Lehrer):
Von den 86 Items bilden 72 (Eltern) beziehungsweise 73 (Lehrer) diese Skalen; die übrigen sind qualitativ auszuwertende klinische Zusatzitems. Die Selbstbeurteilungsversion umfasst ebenfalls acht Skalen, jedoch ohne Initiative und mit der zusätzlichen Skala Aufgaben Durchführen; die Skala Umstellen wird hier in Verhaltensumstellung und Kognitive Umstellung unterteilt. Aus den Skalen entstehen der Verhaltensregulations-Index (VRI) und der Kognitive Regulations-Index (KRI) sowie der Exekutive Gesamtwert (EGW); Inkonsistenz- und Negativitätsskala dienen der Validitätsprüfung.
Die Eltern- und Lehrerversion ist für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren vorgesehen, das BRIEF-SB für 11- bis 16-Jährige. Das Ausfüllen dauert 10 bis 15 Minuten (Eltern, Lehrer) beziehungsweise etwa 15 Minuten (Selbstbeurteilung). Beurteilt wird das Verhalten der letzten sechs Monate auf einer dreistufigen Skala: nie/sehr selten, manchmal und oft. Empfohlen wird, mehrere Perspektiven einzuholen, da Diskrepanzen zwischen den Beurteilenden diagnostisch bedeutsam sind. Direkt bei Rückgabe ist zu prüfen, ob Fragen ausgelassen oder mehrfach beantwortet wurden.
Die Auswertung des BRIEF erfolgt im Papierverfahren von Hand über zwei Auswerteschablonen je Version, die spaltenweise auf die Fragebogenseiten gelegt werden. Jeder Schritt – Auszählen, Übertragen, Nachschlagen – ist dabei eine mögliche Fehlerquelle. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Die deutschsprachige Normierung beruht auf 921 Elternurteilen und 941 Lehrerurteilen aus der Schweiz, Deutschland und Luxemburg; erhoben wurde überwiegend zwischen 2008 und 2010 an Kindern und Jugendlichen aus Regelklassen. Die interne Konsistenz ist gut bis sehr gut: Für Eltern- und Lehrerversion liegen die Alpha-Koeffizienten zwischen .79 und .98, für das BRIEF-SB zwischen .73 und .96. Die Retest-Reliabilität wurde an Teilstichproben der Normierung über ein Intervall von 10 bis 20 Tagen bestimmt: Beim BRIEF-Eltern liegen die Koeffizienten mit einer Ausnahme über .80, beim BRIEF-Lehrer meist über .90, bei der Selbstbeurteilung mit .67 bis .88 für die Skalen und .83 bis .88 für die Indices etwas niedriger. Die Interrater-Übereinstimmung fällt erwartungsgemäß moderat aus – jede Quelle sieht nur einen Ausschnitt des Verhaltens, weshalb Diskrepanzen inhaltlich zu lesen sind und nicht als Messfehler. Faktorenanalysen stützen die zweifaktorielle Struktur aus Verhaltensregulation und kognitiver Regulation; Skalen und Indices korrelieren untereinander mittel bis hoch. Die konvergente Validität zeigt sich in erwartungskonformen Zusammenhängen mit Verfahren wie CBCL, SDQ, IVE und Conners 3; charakteristische klinische Profile sind unter anderem für ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen und das fetale Alkoholsyndrom belegt.
Drechsler, R., & Steinhausen, H.-C. (2013). BRIEF – Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen. Deutschsprachige Adaptation des Behavior Rating Inventory of Executive Function (BRIEF) von G. A. Gioia, P. K. Isquith, S. C. Guy und L. Kenworthy sowie der Self-Report Version (BRIEF-SR) von S. C. Guy, P. K. Isquith und G. A. Gioia. Bern: Verlag Hans Huber.
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Lea Sauerbier (Testpsychologin / Psychotherapeutin in Ausbildung)
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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