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Das BAV 3-11 ist ein Individualtest zur Erfassung entwicklungstypischer Ängste bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Es erhebt drei Ebenen der Angst gemeinsam: das subjektive Erleben (Art und Intensität der Angst), das Verhalten in Angstsituationen (bevorzugte Regulationsstrategien) und die begleitenden körperlichen Angstreaktionen. Damit unterscheidet es sich von reinen Ängstlichkeitsfragebögen, die den Umgang mit der Angst nicht abbilden. Ziel ist die Abklärung, ob die Ängste eines Kindes entwicklungstypisch oder klinisch relevant sind – erhoben über die Selbstauskunft des Kindes und die Fremdeinschätzung der Eltern.
Im BAV 3-11 werden den Kindern potenziell angstauslösende Situationen als Bilder vorgelegt; die Befragung erfolgt standardisiert mündlich. Für Grundschulkinder gibt es die Gesamtversion G mit 26 Items, für Kindergartenkinder zwei Parallelversionen A und B mit je 13 Items. Die Eltern beantworten den Fragebogen schriftlich.
Auf der Ebene des subjektiven Erlebens wird ein Gesamtwert Gesamtangst gebildet, der sich bei Grundschulkindern und allen Eltern aus vier Skalen zusammensetzt:
Bei Kindergartenkindern wird die Gesamtangst direkt aus den Items berechnet, da die Itemzahl für Skalenwerte zu gering ist. Auf der Verhaltensebene werden die genannten Bewältigungsversuche über ein Kategoriensystem mit neun Strategien plus Restkategorie kodiert; daraus entstehen die Kennwerte Summe aller und Summe unterschiedlicher Strategien sowie die drei Regulationsstile Problemorientierung, Problemvermeidung und Suche nach sozialer Unterstützung. Die Ebene der körperlichen Angstreaktionen erfasst 14 Symptome wie Zittern, Schwitzen/Frieren, Herzklopfen oder Bauchschmerzen zuzüglich einer freien Kategorie.
Das BAV 3-11 richtet sich an deutschsprachige Kinder von 4 bis 11 Jahren (Selbsteinschätzung) sowie an deren Eltern von 3 bis 11 Jahren (Fremdeinschätzung). Die Bearbeitung des BAV 3-11 dauert 20 bis 30 Minuten. Zu jeder Situation wird zuerst das Angsterleben eingeschätzt – Grundschulkinder und Eltern auf einer fünfstufigen Skala, Kindergartenkinder auf einer dreistufigen Smiley-Skala –, danach gefragt, was das Kind in dieser Situation tun würde. Die körperlichen Reaktionen werden den Kindern höchstens zweimal erfragt: bei Kindergartenkindern bei der ersten Angstnennung, bei Grundschulkindern bei der ersten mittleren oder starken Angstnennung.
Die Auswertung des BAV 3-11 erfolgt im Papierverfahren von Hand über Auswertebögen, getrennt für die drei Angstebenen; das Manual veranschlagt dafür etwa 10 Minuten (Kindergarten) bis 20 Minuten (Grundschule). Jeder Schritt — Umkodieren, Summieren, Nachschlagen — ist dabei eine mögliche Fehlerquelle. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Die Normierung des BAV 3-11 beruht auf 1065 Kindern und 1046 Eltern aus 24 Kindergärten und 13 Grundschulen im Ruhrgebiet, mit bewusst gemischter Auswahl sozial schwächerer und gut situierter Stadtteile: 412 Kindergartenkinder (3;2 bis 7;1 Jahre) und 651 Grundschulkinder (6;0 bis 12;6 Jahre). Normen liegen getrennt nach Geschlecht und Altersgruppe vor – Kindergarten bis und über 60 Monate sowie Grundschulklassen 1 bis 4. Die interne Konsistenz der Gesamtversion liegt zwischen α = .72 (Kindergarteneltern) und .86 (Grundschulkinder), die der Teilversionen A und B zwischen α = .53 und .76. Die Paralleltest-Reliabilität beider Teilversionen erreicht bei Grundschulkindern r = .70 bis .78 und bei Kindergartenkindern r = .63, ohne signifikanten Unterschied der Summenwerte. Die Retest-Reliabilität nach zwei Wochen beträgt .80 für die Gesamtversion und .71 bis .74 für die Teilversionen. Die Validität wurde über Expertenratings, Faktorenanalysen und den Vergleich mit dem Elternfragebogen ELFRANA geprüft: Für die Elternversion zeigen sich deutliche Hinweise auf konvergente Validität, auf Ebene der Kinderurteile fallen die Zusammenhänge erwartungsgemäß niedriger aus; die Unabhängigkeit von den Neugier-Skalen stützt die diskriminante Validität. Einschränkend ließen sich die vier Angst-Unterskalen nicht ausreichend bestätigen – der Gesamtwert ist der belastbarere Kennwert.
Mackowiak, K., & Lengning, A. (2010). Das Bochumer Angstverfahren für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (BAV 3-11). Bern: Verlag Hans Huber.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
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