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Beispiel-TestbefundNie mehr rechnen · Nie mehr Normwerte suchen · Nie mehr Excel-Tabellen
Der AQ erfasst, wie stark autistische Merkmale bei einer Person ausgeprägt sind. Er beruht auf der Annahme, dass diese Merkmale in der Bevölkerung kontinuierlich verteilt sind – der AQ verortet eine Person auf diesem Kontinuum, statt eine Ja-Nein-Entscheidung zu treffen. Drei aufeinander abgestimmte Fassungen decken Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter ab: zwei Fremdbeurteilungsbögen und, ab 16 Jahren, eine Selbstbeurteilung. Alle drei sind als ökonomisches Screening angelegt, nicht als diagnostisches Interview.
Jede Fassung des AQ umfasst 50 Aussagen, die sich gleichmäßig auf fünf Bereiche verteilen:
Die Zuordnung der Items zu den Bereichen ist in allen drei Fassungen dieselbe; die Kinderfassung formuliert nur die Aussagen um, die für jüngere Kinder nicht passen. Etwa die Hälfte der Aussagen ist so gepolt, dass Zustimmung für ein autistisches Merkmal spricht, die andere Hälfte umgekehrt; das beugt Antworttendenzen vor.
Die Kinderfassung gilt für 4- bis 11-Jährige, die Jugendfassung für 12- bis 15-Jährige. Beide füllt ein Elternteil oder eine enge Bezugsperson aus; eine Selbstbeurteilung wäre in diesem Alter durch Lese- und Verständnisanforderungen eingeschränkt. Ab 16 Jahren wird der AQ als Selbstbeurteilung vorgelegt. Das Antwortformat ist durchgängig vierstufig: stimme völlig zu, stimme eher zu, stimme eher nicht zu, stimme gar nicht zu; eine Zeitbegrenzung besteht nicht. Kinder- und Jugendfassung werden unterschiedlich verrechnet und sind nicht ineinander überführbar.
Die Auswertung des AQ erfolgt im Papierverfahren von Hand über den Auswertungsschlüssel, der für jedes Item festlegt, welche Antwortrichtung zählt. Jeder Schritt – Umkodieren, Auszählen, Summieren – ist eine mögliche Fehlerquelle; bei 50 Items mit gemischter Polung ist das Umkodieren der häufigste. Mit einem Auswertungsprogramm wie PsyCalc verkürzt sich die Auswertung auf das Eintragen der Antworten; Rechen-, Übertragungs- und Nachschlagefehler entfallen. Die Schritte im Einzelnen:
Der AQ ist ausdrücklich ein Screening. Ein überschrittener Trennwert belegt keine Autismus-Spektrum-Störung, sondern begründet die weitere Abklärung durch Verhaltensbeobachtung, Exploration und ein diagnostisches Interview. Umgekehrt schließt ein unauffälliger Wert eine Störung nicht aus. Bei den Fremdbeurteilungsfassungen bildet der Wert zudem ab, wie die Bezugsperson das Verhalten wahrnimmt.
Die Kinderfassung wurde an 540 Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung und 1.225 Kindern aus der Allgemeinbevölkerung geprüft. Sie erreicht eine interne Konsistenz von α = .97 für die Gesamtskala, die fünf Bereiche liegen zwischen α = .83 und .93; die Retest-Reliabilität über durchschnittlich 12,3 Wochen beträgt r = .85. Der Trennwert 76 ordnet 95 Prozent der Kinder mit und ohne Diagnose korrekt zu. Die Jugendfassung wurde an 52 Jugendlichen mit Asperger-Syndrom oder hochfunktionalem Autismus, 79 Jugendlichen mit frühkindlichem Autismus und 50 Kontrollpersonen untersucht: α = .79 für die Gesamtskala, α = .66 bis .88 für die Bereiche, Retest r = .92. Beide klinischen Gruppen unterschieden sich deutlich von den Kontrollen, nicht aber voneinander: Der AQ trennt gegenüber unauffälliger Entwicklung, differenziert aber nicht innerhalb des Spektrums. Für die Erwachsenenfassung ergab eine klinische Prüfung an 100 Zuweisungen eine ROC-Fläche von 0,78. In der Allgemeinbevölkerung erzielen Jungen und Männer durchgängig höhere Werte als Mädchen und Frauen.
Baron-Cohen, S., Wheelwright, S., Skinner, R., Martin, J., & Clubley, E. (2001). The Autism Spectrum Quotient (AQ): Evidence from Asperger Syndrome/High Functioning Autism, Males and Females, Scientists and Mathematicians. Journal of Autism and Developmental Disorders, 31, 5–17. — Baron-Cohen, S., Hoekstra, R. A., Knickmeyer, R., & Wheelwright, S. (2006). The Autism-Spectrum Quotient (AQ) – Adolescent Version. Journal of Autism and Developmental Disorders, 36, 343–350. — Auyeung, B., Baron-Cohen, S., Wheelwright, S., & Allison, C. (2008). The Autism Spectrum Quotient: Children's Version (AQ-Child). Journal of Autism and Developmental Disorders, 38, 1230–1240.
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Bernd Wenig (Krankenhausdirektor)
Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied
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